Alternative Investitionen: Das Rindvieh als Renditetreiber

FAZ | Sachwerte sind gesucht: Für Anlagen in der Rinderzucht stellen die Anbieter Renditen von acht Prozent und mehr in Aussicht. Risikolos ist das nicht. Einfacher ist es, wenn man Rindfleisch akzeptiert.
von Martin Hock, Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Sparen und Anlegen ist in der Welt mit ihren niedrigen Zinsen kompliziert geworden. Viele Anleger wünschen sich daher ein greifbares, verständliches Investment. Anlagen in landwirtschaftlichen Gütern sind deshalb durchaus gefragt – auch zum Inflationsschutz. Und vielleicht spielt im Hinterkopf auch eine Rolle, dass man das Investment noch essen kann, wenn es zum Schlimmsten kommt.

Interessant ist unter diesen Gesichtspunkten vor allem die Investition in Nutztiere, wie sie von einigen Unternehmen angeboten wird. So hat das auf Anlagen in Sachwerte spezialisierte Unternehmen Rinca nicht nur Güterwaggons und LED-Strahler im Programm, sondern auch Rindvieh. Mit mindestens 5000 Euro, Dollar oder Franken können über die Rinderzucht Banta Jungtiere in Paraguay gekauft werden. Diese werden dann von Vertragsfarmern aufgepäppelt und nach 12 bis 22 Monaten verkauft. Mindestens 8 Prozent Rendite stellen die Initiatoren in Form einer Vorzugsausschüttung in Aussicht. Als Bonus kommt gegebenenfalls die Hälfte des Reingewinns dazu. So weit, so einfach. In den Details wird es allerdings komplizierter. Das Rind bezahlt der Investor allein. Vom Nettoerlös des Verkaufs und Abzug der Transportkosten geht die Hälfte an den Farmer. Gerechnet wird allerdings auf Basis der Gewichtszunahme, so dass der Farmer in der Regel einen größeren Teil der Geldsumme erhält. Danach wird an den Investor ein Vorzugsgewinn von 8 Prozent jährlich ausgezahlt, gerechnet auf die investierte Summe. Was danach vom Verkaufserlös noch übrig ist, teilen sich Anleger und Rinca. Unter dem Strich soll sich dann eine Rendite von etwas mehr als acht Prozent ergeben. Die Laufzeit gibt Rinca mit 12 bis 22 Monaten an, ein überschaubarer Zeitraum, was Privatanlegern durchaus entgegenkommt. „Wir haben uns für diese Variante entschieden, weil es uns als der interessanteste Teil der Viehwirtschaft erschien“, sagt Jean-Paul Messerli, ehemaliger Investmentbanker und einer der beiden Geschäftsführer von Rinca. „Wir kaufen sogenannte Absetzer, also Kälber, die nicht mehr gesäugt werden. Bei diesen ist die Sterblichkeit vergleichsweise niedrig, sie werden ausschließlich auf der Weide gehalten, und die Gewichtszunahme ist hoch. Unsere Gauchos bringen sie auf etwa 500 Kilogramm, bevor sie verkauft werden. Danach verflacht die Gewichtszunahme“, erklärt Messerli das Geschäftsmodell. Für die Farmer bietet dieses Modell den Vorteil, dass sie die Tiere nicht selbst kaufen müssen.

Was passiert, wenn mein Rind stirbt?

Auch der amerikanisch-bolivianische Broker Ameros Capital bietet ein Rinder-Investment an. Im Unterschied zu Rinca betreibt Ameros die Rinderfarmen selbst. Investoren können für 2800 Dollar ein Rind und vier Hektar Land aus dem Besitz von Ameros erwerben und erhalten einen Vorzugsgewinn von 8,5 Prozent ihres Dollar-Investments. Der Erlös stammt aus dem Verkauf der Jungtiere. Indes ist die Kapitalbindung hier mit fünf Jahren länger. Das aber sei Wunsch der meisten Kunden gewesen, so der Vorstandsvorsitzende Sven Gut. Die Rinderbestände seien jedoch jederzeit übertragbar und könnten an andere Anleger verkauft werden. Zwei große Fragen dürften sich Anleger stellen: Wer sichert mir zu, dass mein Rind existiert? Und was passiert, wenn mein Rind verendet? Die Antwort auf die zweite Frage ist einfacher. „Bis zur statistischen Mortalitätsrate von zwei Prozent der Herde stellt unser Partner Agri-Terra Ersatz“, sagt Messerli. „Kleine Risiken wie Unfälle oder Schlangenbisse sind damit abgedeckt. Kommt es zu größeren Ausfällen, gehen diese grundsätzlich zu Lasten des Investors. Unter Umständen bietet der Farmer Ersatz. Es geht hier immerhin um seinen Ruf und Folgegeschäfte. Wir haben auch vertragliche Vereinbarungen, aber diese sind nur in Paraguay einklagbar.“ Für größere Risiken gebe es einen staatlichen Ausgleichsfonds. Dieser habe aber bisher noch nicht beansprucht werden müssen. „Durch die großflächige Weidehaltung ist zudem das Ansteckungsrisiko bei Epidemien deutlich geringer als in Europa. Immerhin haben die Rinder in Paraguay im Durchschnitt ein Gebiet von einem Hektar zur Verfügung. Das ist obendrein artgerechte Tierhaltung.“ Ähnlich ist die Auskunft von Ameros: „Die Rinder werden immer durch uns ersetzt.“ Beide Anbieter versuchen auch, die Ferne zu dem eigentlich so greifbaren Investment zu überbrücken. „Die Rinder erhalten ein Brandzeichen und eine Ohrmarke mit einer Nummer. Anleger bekommen ein Eigentumszertifikat mit dieser Nummer und mitgeteilt, auf welcher Weide sie ihr Tier finden können.“ Allerdings, schränkt Messerli ein, wer sich auf die Suche machen will, müsse viel Zeit mitbringen. Paraguay ist größer als Deutschland und die Schweiz zusammen, aber etwa so dünn besiedelt wie Norwegen. Ohne Satellitennavigation dürfte die Suche lange dauern. Besucher seien bei Banta jedoch stets herzlich willkommen.

Alternativen zum Rind gefällig? Die Hühneraktie!

Auch Ameros gibt sich gastfreundlich. Man bestehe sogar darauf, dass Anleger ihre Rinder in Augenschein nähmen. In ein paar Monaten sollen die Rinderfarmen sogar via Internet Tag und Nacht zu besichtigen sein. „Uns geht es darum, dass Sie mit Ihrem Investment zufrieden sind und natürlich beruhigt schlafen können“, schreibt Gut per E-Mail. Beide Firmen lassen An- und Verkäufe auch von Wirtschaftsprüfern zertifizieren. Die Risiken der Investition liegen auf der Hand. Neben rechtlichen und züchterischen Risiken liegen sie vor allem im Wechselkurs des paraguayischen Guarani und des amerikanischen Dollars, in dem Rinder in Bolivien gehandelt werden. Der Guarani hat in den vergangenen zehn Jahren gegenüber dem Euro zwar tendenziell leicht aufgewertet. Bei kürzerer Betrachtung von ein bis zwei Jahren kann es aber zu deutlichen Wechselkursgewinnen wie auch -verlusten kommen. Auch der Dollar kann zum Euro im Wert beträchtlich schwanken. Ein Unsicherheitsfaktor ist zudem die steuerliche Behandlung der Erträge. Rinderkäufe seien als Anlage im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung zu sehen und damit steuerfrei, heißt es von Ameros. Die Investitionskosten könnten in Deutschland jedenfalls nicht steuerlich geltend gemacht werden. Nach Auffassung von Rinca ist das Rinder-Investment ein privates Veräußerungsgeschäft und so nach mehr als 12 Monaten steuerfrei. Das Unternehmen Ranch-Invest, das eine zehnjährige Pacht von Weideflächen in Texas anbietet und dafür Renditen von jährlich 4 bis 9 Prozent in Aussicht stellt, klassifiziert die Erträge wieder als Kapitalerträge und damit als abgeltungsteuerpflichtig. Alle Anbieter empfehlen aber den Kontakt zum Steuerberater. Diese sind sich allerdings hinsichtlich der Auffassung der Finanzbehörden auch nicht immer sicher und empfehlen, die Besteuerung im Vorfeld mit diesen abzuklären. Wem das alles viel zu kompliziert und weit weg ist, hat simplere Alternativen in Europa. Der in Wutöschingen bei Waldshut ansässige Lindenhof etwa bietet eine „Hühneraktie“. Für 160 Euro gibt es ein Jahr lang jede Woche 10 Eier und am Ende der Laufzeit ein Suppenhuhn. Das Ehepaar Elpons aus dem österreichischen Bildein bietet eine „Schafaktie“: Für 55 Euro gibt es drei Jahre lang Bio-Lammfleisch. Und beim Gutsbetrieb Ulmberg im Südschweizer Ermatingen kann man für 500 bis 2500 Franken in Hochlandrinder, Wollschweine oder Hühner investieren. Dafür gibt es dann Einkaufsgutscheine für die Produkte des Gutes. Steuerlich dürfte es hier wenig Probleme geben, weil man davon ausgehen kann, dass es nur eine bunt verpackte Vorauszahlung auf Lebensmittel ist. Ein Haken ist dennoch dabei: Die Produkte müssen meist vor Ort abgeholt werden. Im Falle Ermatingen ist zwar eine Online-Bestellung möglich, aber kein Versand nach Deutschland.

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