Wie das Öl die Steakpreise beeinflusst – die Ölabhängigkeit der paraguayischen Fleischpreise

Was hat ein Steak aus Paraguay mit Erdöl aus Russland zu tun? In unserer Welt gibt es eine Verbindung. Welche das genau ist, erfahren Sie hier.

Öl und Steak? Na klar, mit irgendwas muss der Koch das Steak schließlich braten. Halt! Hier ist vom Erdöl die Rede. Doch von vorne: Im Jahr 2014 verkaufte Paraguay knapp die Hälfte seines exportierten Fleisches nach Russland – 120.000 von 269.00 Tonnen. Der Preis für die russischen Händler lag zwischen 3,30 und 3,50 US-Dollar pro Kilogramm.

Russlands Wirtschaft, insbesondere die Deviseneinnahmen, hängen stark von Erdölexporten ab. Anfang 2016 sank der Ölpreis auf 25 bis 30 US-Dollar pro Fass – von ursprünglich 100 US-Dollar. Bei gleichbleibenden Produktions- und Exportmengen fehlten also in kurzer Zeit Zweidrittel der Dollar-Einnahmen. Gleichzeitig fiel der Rinderhälften-Preis auf 2,40 auf 2,50 US-Dollar pro Kilogramm. Die fehlenden Einnahmen durch den Erdölexport machten sich auch im Geldbeutel der russischen Konsumenten bemerkbar, welche im Zweifelsfall auf Luxusgüter wie Rindfleisch verzichteten.

Da der Rubel enorm schwach war, wurden selbst die in Dollar gesunkenen Rindfleischpreise zu teuer für die Konsumenten. Der Umsatz der russischen Fleischhändler sank, sodass sie statt 4.000 US-Dollar pro Tonne nur noch 3.000 Euro ausgeben konnten. Dementsprechend litten die Einnahmen der Rinderzüchter in Paraguay. Zwar bezahlt die Europäische Union fast 8.000 Dollar pro Tonne, doch die europäischen Konsumenten kaufen fast nur die „edlen Stücke“, die nur wenige Kilo pro Rind ausmachen und die Einnahmeneinbuße von Russland bei weitem nicht auffangen. Der Großteil des Rindes wird in Länder mit weniger Kaufkraft exportiert.

Wohin also mit dem Restrind, wenn Europa es nicht will und Russland nicht mehr zahlen kann? Paraguay baute die Abhängigkeit von Russland ab, indem es den Abnehmer-Mix deutlich verlagerte: Aktuell gehen 35 Prozent der Rindfleischexporte nach Chile, 14 Prozent nach Brasilien und nur noch 20 Prozent weiterhin nach Russland. Insgesamt kaufen nun 45 Länder paraguayisches Rindfleisch, das sind 10 mehr als im Jahr 2014. Dank des breiteren und ausgewogeneren Abnehmer-Mixes liegt der durchschnittliche Rinderhälften-Preis wieder bei 3,00 US-Dollar pro Kilogramm. Maßgebend für die Renditeberechnung des Rinder-Investments ist jedoch der Preis pro Kilogramm für Lebensrind, dieser liegt derzeit bei 1,50 US-Dollar. Der Rinderinvestor kann unter diesen Preisbedingungen mit stabilen einstelligen Renditen rechnen.

Nach diesem eventuell trockenen Text – gönnen Sie mal wieder ein saftiges Steak.

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